
Eine kurze und bündige Antwort darauf lautet: Eine buntgemischte Gruppe von entwicklungspolitisch interessierten Menschen, die etwas zur änderung der Ungerechtigkeiten im Handel mit der sogenannten “Dritten Welt” beitragen wollen. Dazu gehört, diese Ungerechtigkeiten aufzudecken und die öffentlichkeit darüber zu informieren.
Tatsächlich finden entwicklungspolitische Diskussionen in unserer Gesellschaft kaum noch statt. Entwicklungspolitik verliert zunehmend an Bedeutung, und damit auch ihre finanzielle Ausstattung. Dabei ist es ganz und gar nicht so, dass die Probleme in der Dritten Welt kleiner geworden sind – im Gegenteil. Die Rekordzahlen der Flüchtlinge weltweit sind eine sichtbare Folge davon.
Uns ist es wichtig, hier in Tübingen bewusstseinsbildende Arbeit zu leisten, eine Ansprechadresse und einen Treffpunkt für interessierte Menschen vor Ort zu bieten.
Um konkret etwas für die Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Menschen zu tun, verkaufen wir im Weltladen Produkte aus der Dritten Welt, die den Kriterien des Fairen Handels unterliegen. Wir halten es für besser, die Menschen in den Entwicklungsländern als Handelspartner ernstzunehmen, statt ihnen ab und zu eine Spende zukommen zu lassen. So sollte ein indischer Teebauer mehr als 3% des Teepreises für seine Arbeit bekommen.
Wir können heute auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Die Anfänge des Aktionszentrums sind schon 1973 zu finden. Damals schlossen sich sieben Menschen aus der Studentenbewegung in Tübingen zusammen. Viele von ihnen waren schon einmal in Ländern der Dritten Welt gewesen.
Anfangs bestand die Arbeit vor allem aus Informationsarbeit zu verschiedenen Themen und dem Verkauf von Kaffee aus Nicaragua. Zuerst fand dies in einer Tübinger Garage statt, danach ging der Verkauf in einem Laden in der Uhlandstraße weiter, der jedoch bald vom Besitzer wegen einer Textilkampagne gekündigt wurde. Im März 1974 schließlich konnte ein Laden in der Langen Gasse bezogen werden.
Zu dieser Zeit wurde die Vereinsarbeit und der Laden mehr über Spenden als über den Verkauf finanziert. Lange Zeit gab die Stadt Tübingen auch einen Zuschuß, der aber im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen 1993 gestrichen wurde.
Ein tiefer Einschnitt war die starke Mieterhöhung im Januar 1997. Um den Laden behalten zu können, mussten wir unsere Kräfte stark auf den Verkauf konzentrieren. Eine weitere Professionalisierung erfuhren wir nach dem Umzug in die Lange Gasse 64, wo wir heute in hellen und großen Räumen zu finden sind. Dabei hat sich das Gesicht des Ladens stark verändert. Das zeigt, dass auch ein alteingesessener Verein zu einer Erneuerung fähig ist und nicht nur auf eingefahrenen Gleisen fahren kann.
Heute liegt zwar der größte Teil unserer Arbeit im Laden, aber auch die thematische Arbeit spielt weiterhin eine große Rolle. Regelmäßig finden Aktionen statt, und in unseren Schaufenstern informieren wir die Menschen über aktuelle Themen, die uns am Herzen liegen.